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EnergieXchange: Wie lässt sich die Energiewende verlässlich finanzieren?

EnergieXchange: Finanzierung der Energiewende
EnergieXchange: Finanzierung der Energiewende

Beim unserer digitalen Diskussionsveranstaltung zum Thema Finanzierung der Energiewende am 15. Oktober 2026 diskutierten Fachleute aus Banken, Projektentwicklung, der Investitionsbank des Landes Brandenburg und der Wirtschaftsförderung Brandenburg über die Finanzierung von Energieprojekten. Im Mittelpunkt standen die Folgen veränderter Rahmenbedingungen für Projektentwickler, Stadtwerke und Kommunen und die Frage, wie die Energiewende in der Lausitz weiter vorangebracht werden kann.

Die Energiewende ist in vollem Gang. Doch während die Ausbauziele für Erneuerbare Energien bis 2030 bestehen bleiben, geraten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ihre Umsetzung unter Druck. Veränderte gesetzliche Vorgaben, steigende Finanzierungskosten und Verzögerungen beim Netzausbau stellen die Branche vor Herausforderungen.

Was bedeutet das für genehmigte Projekte, kommunale Einnahmen und die weitere Entwicklung der Region? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Austauschs.

Viele geplante Projekte stehen vor Finanzierungsproblemen

Wie groß die Sorgen in der Branche sind, zeigte eine Umfrage: 50 Prozent der Teilnehmenden, die abgestimmt haben, gingen davon aus, dass die Hälfte der aktuell geplanten Energiewendeprojekte erhebliche Finanzierungsprobleme bekommen könnte, wenn das Gesetzespaket nicht nachgebessert wird. Ein Teilnehmer aus der Projektentwicklung brachte es auf den Punkt: „Viele genehmigte Projekte werden nicht umgesetzt.“

Damit steht das Ziel, den Ausbau der Erneuerbaren Energien bis 2030 voranzubringen, vor einer zentralen Herausforderung: Zwischen einer erteilten Genehmigung und der tatsächlichen Umsetzung muss die Finanzierung gesichert sein.

Höhere Risiken, höhere Finanzierungskosten

Die Bankenvertreter*innen erläuterten, wie sich die aktuellen Gesetzgebungsverfahren auf die Risikostruktur von Energieprojekten auswirken. Demnach wird die Finanzierungsfunktion des EEG durch stabile Zahlungsströme ab 2027 stark eingeschränkt. Die Folgen sind höhere Eigenkapitalanforderungen und steigende Zinsen für Fremdkapital.

Viele Projekte konnten mit diesen Veränderungen nicht rechnen. Jahre der Planung und erhebliche Planungskosten stehen damit vor dem Aus. Hinzu kommt das Risiko eines verzögerten Netzausbaus, dass die wirtschaftliche Umsetzung zusätzlich erschweren kann.

Weitere Informationen dazu bietet der Bankenbrief des Bundesverbands WindEnergie (BWE).

Regionale Energie nutzen und wirtschaftliche Potenziale erschließen

Die Expertinnen und Experten sahen derzeit kaum Anreize für Stromlieferverträge in der Lausitz. Damit bleibt der Standortvorteil, regional erzeugte Energie vor Ort zu nutzen, bislang weitgehend ungenutzt.

Dass sich die Energiewende wirtschaftlich umsetzen lässt, zeigte ein Beispiel aus der Praxis: Die Wirtschaftsförderung Brandenburg berichtete, dass die Elektrifizierung von Fahrzeugflotten gut vorankommt, weil sich die Umstellung auf elektrische Antriebe wirtschaftlich lohnt.

Auch bei Speichern ist viel Bewegung im Markt. Auf die Frage einer Kommune zur anhaltend hohen Nachfrage nach Speichervorhaben waren sich die Diskutierenden einig, dass reine Arbitragespeicher, die ausschließlich Preisschwankungen an der Strombörse nutzen, zunehmend durch Speicher in Kombination mit Erzeugungsanlagen (Co-Location) ersetzt werden. Für Brandenburg sieht die Wirtschaftsförderung außerdem einen Trend zu Speichern für die Ladeinfrastruktur der Elektromobilität. Die Beispiele zeigen, dass sich neue Anwendungsfelder entwickeln und wirtschaftliche Potenziale erschließen lassen.

Kommunen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen

Für die kommunale Energiewende steht insbesondere die Finanzierung der Wärmeversorgung im Fokus. Auch hier sind stabile Rahmenbedingungen und kalkulierbare Zahlungsströme entscheidend. Gleichzeitig haben sich Kommunen teilweise auf finanzielle Beiträge aus Erneuerbare-Energien-Projekten über einen Zeitraum von 20 Jahren eingestellt. Werden Vorhaben nicht umgesetzt, kann das auch ihre Haushaltsplanung betreffen.

Bei den genannten Finanzierungsrisiken können Kommunen auf Unterstützung durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg hoffen. Verlässliche Finanzierungsbedingungen bleiben eine wichtige Voraussetzung, damit Städte und Gemeinden ihre Vorhaben langfristig planen und umsetzen können.

Die kommenden Monate werden entscheidend

Die Blicke richten sich nach Brüssel. Da die Gesetzgebungsverfahren längere Zeit in Anspruch nehmen und auch die Zustimmung auf europäischer Ebene erforderlich ist, droht EEG-Vorhaben im ersten Quartal 2027 eine Phase der Ungewissheit. Eine Übergangsregelung muss gefunden werden, damit die Energiewende in Deutschland und insbesondere in der Lausitz nicht ins Stocken gerät.

Die Diskussion beim EnergieXchange hat gezeigt, wie eng politische Rahmenbedingungen, Finanzierung und die tatsächliche Umsetzung von Energieprojekten zusammenhängen. Die Herausforderungen sind erheblich. Zugleich wurde deutlich, dass sich wirtschaftliche Lösungen entwickeln und neue Perspektiven eröffnen können, etwa bei der Elektrifizierung von Fahrzeugflotten und der Nutzung von Speichern.

Entscheidend wird sein, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Investitionen möglich bleiben und aus genehmigten Vorhaben konkrete Projekte werden. So kann die Energiewende auch künftig zur wirtschaftlichen Entwicklung der Lausitz beitragen.

Vielen Dank an Jan Hinrich Glahr für die Moderation und alle Expertinnen und Experten sowie an die Teilnehmenden für den fachlichen Austausch und die offene Diskussion.

Datum

15.10.2026

Autor

Leonie Seifert